Flüsse setzen sich keine Ziele

Da ist es also, das neue Jahr. Wie halten sich die Vorsätze?

Ziele setzen funktioniert bei mir nur halb. Was tatsächlich etwas verändert, ist die Bewegung in eine Richtung. Ich arbeite lieber an Gewohnheiten.

Das Leben läuft nicht gerade und lässt sich nicht durchplanen. Flüsse gehen in Schleifen zum Meer. Brich zu einem Punkt auf der Karte auf, und Du weißt nie, was hinter der nächsten Biegung liegt. Möglicherweise Einheimische, die Fremde nicht mögen. Möglicherweise Freunde, die eine Party feiern, von der Du nichts wusstest. Möglicherweise — Gott bewahre — Sirenen, die schön singen, und weg ist die Lenkung.

Alles schon erlebt, bildlich gesprochen.

Also arbeite ich an Gewohnheiten und an den Werten, die an meinem Namen hängen sollen. Ein Beispiel: Ich entscheide mich, jemand zu sein, der ins Fitnessstudio geht. Statt mir zweimal die Woche vorzunehmen, lasse ich eine kleine, realistische Routine in den Tag hineinwachsen, die zu der Richtung passt, in die ich ohnehin gehe.

Noch eins: Ich entscheide mich, mich nur mit ehrlichen Menschen zu umgeben. Statt alte Beziehungen mit der Brechstange aufzureißen, drehe ich mich langsam zu denen, die es verdienen.

Richtung schlägt Ziel, denn ein Fluss, der richtig läuft, kommt ohne Plan an, und einer, der es nicht tut, kommt irgendwo an, wo er nie hinwollte.