Acht Tage auf Sehers Sofa

Neunundsiebzigster Tag, Türkei. Corona. Solche Symptome hatte ich noch nie. Gliederschmerzen, ein Hals, der nicht schluckt, Ohren, und so weiter, kommend und gehend wie eine defekte Lichterkette. Nach acht Tagen habe ich den Katalog weitgehend durch.

Alles steht still.

Mir ist elend, ich will nach Hause, und ich fange an, das Ganze in Frage zu stellen. Es stimmt, dass ich keine Angst mehr vor dem Unbekannten habe. Es stimmt auch, dass eine sehr weite Strecke vor mir liegt, dass fraglich ist, ob ich den Kailash vor dem Winter erreiche, und dass Iran und Pakistan auf dem Weg dorthin liegen.

Was für eine bescheuerte Idee. Sag mir nochmal, warum ich losgefahren bin.

Ich habe Glück, dass ich überhaupt hier liegen kann. Seher hat mich im Namaste in Montenegro eingeladen — „Wenn Du nach Istanbul kommst, schau vorbei“ — und das habe ich gemacht, und jetzt liege ich auf einem Sofa in Kadıköy und bewege mich nicht. Ich will nichts essen. Keine Musik. Keine Stimme im Raum. Ich will liegen.

Könnte ich umdrehen? Natürlich könnte ich umdrehen. Ich habe schon viel aus dieser Sache herausgeholt. Ich bin fester, ruhiger, schwerer zu verschieben.

Auf Wüsten und fremde Länder habe ich gerade keinen Appetit.

Es lohnt sich, das aufzuschreiben, weil so die Mitte einer Sache aussieht und weil das niemand auf die Fotos tut.