Prometheus
Hundertvierundsiebzigster Tag, Georgien. Ich muss raus. An manchen Tagen stapeln sich das Lernen, die Arbeit und die Videokonferenzen, bis ich nicht mehr darüber hinwegsehe. Also: ins Auto.
Google Maps sagt, der Eingang zur Prometheus-Höhle liegt sechs Kilometer entfernt. Benannt vermutlich nach dem Gott, der den Menschen das Feuer gebracht hat. Passt.
„In der Höhle gibt es zweiundzwanzig Hallen. Sechs sind für Besucher offen. Heute gehen wir 1,4 Kilometer durch die Unterwelt“, sagt die Führerin.
Klingt nach einer Meditation mit Eintrittskarte.
Zu Hause habe ich es geliebt, mich durch kleine Öffnungen in alte Höhlen und verlassene Bergwerke zu zwängen. Da unten ist nichts: kein Empfang, kein Licht, kein Kalender. Du und Du selbst und der Kegel einer Taschenlampe.
Die Prometheus-Höhle ist im Wortsinn ein Spaziergang. Der Zugang ist ein breiter Schlund aus Fels, und darin verschwinden ein japanisches Paar, mehrere Georgier, ein paar Türken und ein Deutscher.
Wir wissen so wenig über die Welt unter unseren Füßen.
Frank Goes Walkabout