Na und
Einunddreißigster Tag, Albanien. Ich wandere in den Bergen über Pogradec und sehe mich und meine Sorgen aus der Entfernung an. Von hier oben ist alles ziemlich klein.
Der Bewerter ist still. Und weil er still ist, sehe ich, dass er nie der Einzige war, der an mir gearbeitet hat. Mein Ego kennt hundert Wege, mich an der Nase herumzuführen.
An den meisten Tagen bin ich in zwei Richtungen unterwegs. Ich zweifle an einer Sache oder an einem Menschen und will mich gleichzeitig ganz hingeben, weil es sich warm und sicher anfühlt. Hier oben wird offensichtlich, wie viel Zeit und Kraft dafür draufgeht, zwei entgegengesetzte Dinge zugleich zu wollen. Raus aus den Kartoffeln, rein in die Kartoffeln. Anstrengend.
Mein Gegenmittel ist im Moment, die Widersprüche einfach zu beobachten. Ich lasse sie stehen, ich gebe zu, dass sie da sind, und sage: na und.
Das nimmt die Spannung aus dem Tag. Ich fühle mich etwas freier.
Abends gehe ich die Uferpromenade von Pogradec entlang. Kinder spielen. Alte Männer sitzen zusammen und reden. Das Wasser berührt die Steine.
Das ist die Sache selbst. So habe ich es mir vorgestellt.
Ich weiß nicht, wohin der Weg führt. Es ist der richtige.
Frank Goes Walkabout