Der Stein von Hamza

Neunzehnter Tag, Bosnien. „Das ist Zultanit“, sagt Hamza und dreht einen Stein in den Händen. In der Sonne ist er kiwigrün. Im Schatten geht er über ein Cognac-Pink in ein Himbeerrot.

Er zeigt uns mehr und erzählt die Geschichten dazu: Citrin, Lapislazuli, Amethyst. Die seltenen Stücke, sagt er, werden fast mit Gold aufgewogen.

Hamza handelt mit Kristallen und Mineralien, in einem der ersten Läden der Souvenirstraße bei den Tunneln. Er ist zurückhaltend und vollkommen ernsthaft dabei, und man sieht, dass es nicht um das Geld geht.

„Geld ist bloß Papier. Mal hast Du viel. Mal hast Du wenig.“

Manche Bosnier würden gern nach Deutschland, sagt er, und statt fünfhundert im Monat zweitausend verdienen. „Doch wofür? Für Papier?“ Er zuckt mit den Schultern. Die Leute hier haben weniger Sachen und mehr Zeit, und die Zeit geht an Familie und Freunde. Das ist, wie er es erzählt, die ganze Rechnung.

Nicky sucht sich einen Ring mit einem Aquamarin aus. Der Preis ist mehr als fair. Ich erzähle ihm von meiner Reise.

„Du vertraust in Allah?“, fragt er mit weiten Augen.

„Ja. Deswegen bin ich unterwegs.“ Was stimmt, und was ich vor drei Monaten auf Deutsch nicht hätte sagen können.

„Hier, nimm diesen Stein.“ Er legt mir einen Rauchquarz in die Hand, natürlich gewachsen, nicht geschliffen. Ein Geschenk. „Denk an mich, wenn Du ihn unterwegs ansiehst.“

Morgen fliegt Nicky zurück.