Office D3
Neunundsechzigster Tag, Türkei. Auf dem Weg nach Istanbul.
An der Grenze stehe ich vor dem Office D3, die Papiere in der Hand, zwischen Türken, zwei Deutschen und Reisenden, deren Sprachen ich nicht zuordnen kann. Jeder am Fenster wedelt mit seinem Pass und reicht dem Beamten auf der anderen Seite seine Unterlagen.
Ich hatte große Angst vor der Türkei. Unsere Zeitungen berichten wenig Gutes über dieses Land. Doch seit Wochen entscheide ich mich immer wieder für das Vertrauen, laut, im Auto:
Ich vertraue dem Leben. Ich bin geborgen und sicher.
Zwischen den Leuten mit ihren Pässen entscheide ich mich, ganz damit zu gehen. Man wird schräg angesehen, wenn man Gespräche mit sich selbst führt. Dieses meine ich ernst.
Pass auf, Gott. Diese Reise ist zu groß für mich. Ich kann sie nicht kontrollieren und ich kann Dir nicht sagen, was als Nächstes kommt. Du kannst es. Nimm mein Leben und lebe Du durch mich.
Ich führe das Gespräch weiter und bringe mich dazu, zu fühlen, was ich sage, statt es nur zu sagen.
Dann bin ich dran.
Der Mann hinter dem Schalter will, dass ich mit Auto und Anhänger in die Kontrolle fahre. Das ist alles. Anhänger auf, Anhänger zu. Ein Blick in den Kofferraum. Fertig.
Ich bekomme meine Papiere zurück.
Davor hatte ich neunhundert Kilometer lang Angst.
Frank Goes Walkabout